VfL Bochum 1848 - Fusballschule

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Richter: In Bochum erstklassig ausbilden

Seit 2008 verantwortet Alexander Richter die Geschicke der Bochumer Talentschmiede. Seitdem ist in der Bochumer Nachwuchsarbeit eine Menge passiert: Im Rahmen der Zertifizierung durch DFL und DFB wurde das VfL-Nachwuchsleistungszentrum mit zwei Sternen bewertet; der dritte soll in Kürze folgen; zudem befinden sich inzwischen 14 Spieler mit Bochumer Ausbildungshintergrund im Profikader der Blau-Weißen. Wir sprachen mit dem Nachwuchsleiter über das abgelaufene Jahr und die Ziele für die Zukunft.

Alexander Richter, das Jahr 2013 klingt aus. Was waren die persönlichen Highlights aus Sicht der Nachwuchsleitung?
Alexander Richter: Zu den Highlights gehören aus meiner Sicht natürlich die Einsätze unserer Talente in der 2. Bundesliga bei den Profis. Ob das Leon Goretzka oder aktuell Onur Bulut, Fabian Holthaus oder Sven Kreyer waren – man sitzt dann auf der Tribüne und weiß, wofür man die ganze Arbeit und den täglichen Aufwand letztlich betreibt. Das gibt einem ein Gefühl der Zufriedenheit und ist zugleich Ansporn, möglichst viele Jungs an dieses Niveau heranzuführen. Sportlich war es wichtig, mit der U23 den Klassenerhalt in der Regionalliga West zu packen, was uns letztlich nach einer schwierigen Saison in einer starken Liga gelungen ist. Der zweite Platz mit der U19 in der A-Junioren-Bundesliga war auch ein super Ergebnis für uns. Ebenso das Abschneiden der U17, U16 und U15, die allesamt in ihren Ligen wieder oben mitgespielt haben. Und nicht zu vergessen: Der Aufstieg unserer Frauen-Mannschaft in die 2. Bundesliga.

Es gab im Sommer personelle Veränderungen im Nachwuchstrainerteam. Dariusz Wosz betreut seitdem die U23, Thomas Reis hat die U19 übernommen. Wie ist die Entwicklung dieser Teams zur Winterpause zu bewerten?
Die Saison in der U19 läuft bislang zufriedenstellend. Wir sind unter den Top 5 mit engem Kontakt zum zweiten Platz, auch wenn sicherlich der eine oder andere Akteur in der Entwicklung noch nicht soweit ist, wie wir uns das zu Beginn der Spielzeit erhofft hatten. Mit der U23 haben wir, wie schon in der letzten Saison, eine schwierige Spielzeit vor der Brust. Da müssen wir zusehen, dass wir nach der Winterpause stärker werden, denn einen Abstieg gilt es für uns mit allen Mitteln zu vermeiden. Insbesondere von den letztjährigen A-Jugendlichen erwarte ich, dass sie nach der Pause mehr Druck ausüben, um in die erste Elf zu kommen. Natürlich ist die Umstellung von der U19 zur Regionalliga schwierig, aber die Jungs wollen am Ende alle Profis werden. Sie müssen sich da einfach durchbeißen.

Derzeit sind 14 Spieler im Profikader, die einmal in der Bochumer Talentschmiede ausgebildet worden sind. Ist die Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Lizenzspieler-Abteilung so eng, wie nie zuvor?
Zumindest für meine Zeit beim VfL kann ich das mit einem klaren Ja beantworten. Der Austausch mit dem Sportvorstand und Cheftrainer-Team findet praktisch täglich statt. Es gibt fast wöchentlich das Perspektivtraining für unsere Top-Talente unter Peter Neururer, der zudem bei jeder passenden Gelegenheit unsere besten Jungs ins Profitraining integriert. Unter diesen Bedingungen macht es für uns richtig Spaß, zu arbeiten.

Ein anderes Thema, dass die Nachwuchsabteilung in diesem Jahr ordentlich auf Trab gehalten hat, war die Zertifizierungsrunde der Leistungszentren durch die DFL. Es geht darum, den dritten Stern nach Bochum zu holen, also zu den besten Nachwuchsleistungszentren Deutschlands zu gehören. Kann man schon absehen, ob sich der Aufwand gelohnt hat?
Das lässt sich erst sagen, wenn wir Anfang 2014 die Ergebnisse mitgeteilt bekommen. Richtig ist, dass wir mit unserem Team einen enormen Aufwand betrieben haben, um uns auf dieses nächst höhere Level zu bewegen. Wir haben einige Bereiche im Vergleich zur letzten Zertifizierung 2011 noch mal deutlich verbessern können, sei es in der individuellen Betreuung unserer Spieler, oder im Kraft- und Athletikbereich. Dementsprechend sind wir zuversichtlich, den dritten Stern am Ende auch zu bekommen.

Welchen Einfluss hätte diese Auszeichnung auf unsere Nachwuchsarbeit?
Es gibt einerseits einen für uns nicht zu verachtenden finanziellen Effekt, da wir mit jedem Stern auch höhere Zuwendungen durch DFL und DFB für unsere Ausbildung erhalten. Wichtiger noch aber ist der Effekt für unsere Außendarstellung. Es spricht sich rum, dass wir in Bochum erstklassig ausbilden, dass wir hervorragende Trainer haben und wir den Talenten eine richtig gut Perspektive in Richtung Profifußball bieten können. Das hilft uns auch bei der gezielten Ansprache von Spielern, die wir für uns gewinnen wollen.

Der BOKENNER KLUB, oder jetzt neu die VfL-Fußballschule – das sind alles Maßnahmen des Vereins, die der Bochumer Talentschmiede zugutekommen sollen. Spürt man daran auch, dass der Stellenwert der Nachwuchsarbeit innerhalb des VfL deutlich zugenommen hat?
Auch das, ja. Ich bin seit 2008 hier, damals hatte die Nachwuchsarbeit zu Erstligazeiten vielleicht noch nicht diesen Stellenwert. Im Laufe der Jahre, nicht zuletzt durch die Arbeit der Sportvorstände Thomas Ernst, Jens Todt, jetzt Christian Hochstätter und dem Aufsichtsrat, ist richtig Schwung in die Sache gekommen. Wir erhalten zudem durch das Marketing- und Vertriebsteam sehr große Hilfestellung, um Projekte durchzuführen, die letztlich in die genannten Maßnahmen gemündet sind. Der BOKENNER KLUB unterstützt ganz unmittelbar unsere Arbeit. Auch die VfL-Fußballschule ab dem kommenden Jahr wird sich positiv für uns bemerkbar machen, vor allem in Sachen Talentsichtung.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Oder anders: Was muss noch besser werden, damit der VfL auch künftig eine Top-Adresse in der Nachwuchsförderung bleiben kann?
In einigen Bereichen müssen wir sicherlich noch an der Infrastruktur arbeiten: Am Nachwuchszentrum Hiltroper Straße benötigen wir dringend einen neuen Kunstrasenplatz. Für die U23 wäre es auf Sicht wünschenswert, entweder am rewirpowerSTADION oder am Nachwuchszentrum die baulichen Voraussetzungen so zu schaffen, dass diese Mannschaft ihre Regionalliga-Heimspiele auch bei uns austragen kann und nicht immer nach Wattenscheid ausweichen muss. Irgendwann sollten wir auch dahin kommen, den Trainer der U17-Junioren hauptamtlich beschäftigen zu können, der dann auch zusätzliche Aufgaben übernehmen kann. Dann könnten wir beispielsweise das Frühtraining bis zu den jüngeren Jahrgängen ausweiten.

Wie sehen deine persönlichen Ziele aus?
Mit ist es wichtig, zusammen mit meinem Mitarbeiter- und Trainerteam die Voraussetzungen so zu gestalten, dass wir möglichst viele Jungs hervorbringen, die es bis in die Startelf der Profis schaffen können. Dass mal einer einen Profivertrag erhält und dann aber nicht über die U23 hinauskommt, kommt vor, sollte aber die Ausnahme sein. Wir wollen die Spieler schon so stark nach oben abgeben, dass sie dem VfL sofort weiterhelfen können. Das ist unser Anspruch.

2014 steht vor der Tür – was können wir sportlich im Nachwuchsbereich im kommenden Jahr erwarten?
Mit unserer U23 streben wir, möglichst früh, den Klassenerhalt in der Regionalliga West an. Die U19 hat nach dieser Hinrunde durchaus den Anspruch, es unter die ersten drei Teams zu schaffen. Unsere U17 hat nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen auch ihren Platz in der Spitzengruppe eingenommen, denn da gehört sie auch hin. Unsere Frauen-Mannschaft, die bislang eine richtig gute Rolle in der 2. Bundesliga spielt, wird den starken 4. Platz  nach dem Jahreswechsel hoffentlich bestätigen.